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Historische Persönlichkeiten

Benjamin Thompson Graf von Rumford
(26.03.1753 – 21.08.1814)

Rumford

Ein Politologe, Soziologe und Physiker, dessen Wirken in ganz Europa und in der „Neuen Welt“ Beachtung fand, veröffentlichte 1797 in „Essays, Political, Economical and Philosophical“ eine Brennofenkonstruktion. Dank der von ihm entwickelten Trennung von Feuerstelle und Kalksteinschacht war der Brennverlauf kontinuierlich, blieb die Wärme besser erhalten, Brennstoffe wurden eingespart, die Umwandlung von Kalkstein in Branntkalk wurde zeitlich verkürzt und der Branntkalk wurde nicht mit Asche verunreinigt.Zwischen 1802 und 1835 wurden in Rüdersdorf fünf sogenannte „Rumfordöfen“ errichtet und weiterentwickelt. Ab 1871 wurden diese Öfen stillgelegt und zwischen 1872 – 1876 komplett von der Schachtofenbatterie, die auf Grund ihrer Größe leistungsfähiger war, aber nach dem gleichen Prinzip arbeitete, abgelöst. Bis 1989 wurden zwei der vier erhaltenen Rumford-öfen gesprengt. Die verbliebenen Öfen wurden Anfang der 90er restauriert und gehören heute zu den bedeutendsten Industriedenkmälern Deutschlands.

 

Otto Martin Torell
(05.06.1828 – 11.09.1900)

Torell

Der schwedische Geologe, Glaziologe und Polarforscher Torell begründete nach einem Ausflug in die Rüdersdorfer Kalkberge auf der Sitzung der Deutschen Geologischen Ge-sellschaft seine Inlandeistheorie. Er identifizierte die auf der obersten Kalkstein-schicht gefundenen Kritzungen, auch Gletscherschrammen genannt, als ein Ergebnis von am Fuße des Gletschers transportierter Steine und Gerölle. So bewies er, dass sich die Vergletscherung von Skandinavien und Finnland bis ins norddeutsche und nordrussische Flachland ausgedehnt hatte. In Anerkennung der großen Verdienste Torells wurde 1895 ein Gedenkstein aus schwedischen Findlingen auf dem Arnimsberg in Rüdersdorf gesetzt, der nach der Tagebauerweiterung seinen heutigen Standort auf dem nach ihm benannten „Torell-Platz“ erhielt.

 

Friedrich Wilhelm Graf von Reden
(23.03.1752 – 03.07.1815)

Reden

Er wurde als „Der größte deutsche Bergmann“ bezeichnet. Im Jahre 1778 wurde Graf von Reden von seinem Onkel Friedrich Anton von Heinitz in den preußischen Staatsdienst geholt. Er bekam eine Anstellung als erster Direktor des Oberbergamtes in Bres-lau. In kurzer Zeit erarbeitete er einen Entwicklungsplan für den Bergbau in Schle-sien und fand damit die Zustimmung seines Königs Friedrich des Großen. Er setzte auf neue Technologien und auf gezielte Standortwahl. Nach seinen Aus-landsreisen setzte er seine Ideen in die Praxis um, z.B. den Kanalbau zum Rüders-dorfer Steinbruch. Nach dem Tod seines Onkels wurde er 1802 dessen Nachfolger als preußischer Bergbauminister. 1804 wurde in Rüdersdorf der erste Tunnel durch das Gebirge mit einem eindrucksvollen Portal am Eingang gebaut. Er ließ das Gebirge weiter südlich vom Kesselsee erkunden, wobei weitere Vorkommen entdeckt wurden. Während der napoleonischen Besatzungszeit gelang es ihm, die preußischen Bergwerke weitestgehend in Gang zu halten, doch kostete ihn die erzwungene Zusammenarbeit mit den französischen Dienststellen 1807 das Ministeramt. Obwohl gesundheitlich stark angeschlagen, spielte er als graue Eminenz bei der Modernisierung des preußischen Staates und den Befreiungskriegen eine wesentliche Rolle.

 

Friedrich Anton von Heinitz
(14.05.1725 – 15.05.1802)

Heinitz

Friedrich Anton v. Heinitz war im 18. Jahrhundert eine der bedeutendsten Persönlichkeiten im Bergbau. Während seiner Reisen, auch nach Rüdersdorf, entwickelte er folgende Strategien für den Bergbau: die Modernisierung der Gewinnungsverfahren, des Kalkbrennens und des Transportwesens; die Ausbildung und Qualifizierung von Fachkräften (Bergakademie Freiberg) sowie die Untersuchung und Erschließung der Kalksteinlagerstätte. So konnte die Kalksteinproduktion von 1777 bis 1784 verdoppelt werden, da durch die erhöhte Bautätigkeit in Preußen immer mehr hochwertige Baustoffe benötigt wurden. 1800 war die gesamte Ausdehnung der Muschelkalklagerstätte durch Bohrungen, Schürfschächte und Stollen erkundet. Neben seinen bedeutenden Beiträgen zur Weiterentwicklung der Brenntechnik, veranlasste er die Gewinnung des Kalksteins in unmittelbarer Nähe zu schiffbaren Wasserstraßen. Es wurden Kanäle bis an die Abbaustellen im Kalksteinbruch gebaut und mittels Tunnel (Heinitz-, Reden-, Bülowtunnel) durch das Randgebirge mit den Fließgewässern verbunden.

 

Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt
(14.09.1769 – 06.05.1859)

Humbold

Sein Name wird in allen naturwissenschaftlichen Berichten als „bedeutend“ erwähnt. Er unternahm Reisen und Expeditionen und agierte erfolgreich inner- und außerhalb Deutsch-lands. Bekannt ist, dass er mehrmals Inspektionen und geologische Ausflüge in die Rüdersdorfer Kalkberge unternahm. Während seines preußischen Staats-dienstes unter Friedrich Anton von Heinitz schrieb er u.a. Berichte über die Rüdersdorfer Kalkbrüche. In wissenschaftlichen Untersuchungen beschäftigte sich Humboldt seit 1791 mit Temperaturmessungen und veröffentlichte Abhand-lungen zu diesem Thema. Auf seine Anregung hin wurde in Rüdersdorf mit den geothermischen Messungen begonnen. Humboldt überzeugte den Oberberghauptmann Johann Carl Ludewig Gerhard, in allen preußischen Bergwerken Temperaturmessungen durchführen zu lassen. Die Experimente fanden in 12 Bergamtsbezirken 1828 und 1829 statt. In den Jahren 1831 – 1833 wurden die Messungen in einem Bohrloch zu Rüdersdorf durchgeführt. 1833 veröffent-lichte Gerhard die Ergebnisse der Rüdersdorfer Messungen in Form einer ersten Tiefen-temperatur-Kurve. Da zuerst in Rüdersdorf systematisch Tiefentemperaturen gemessen wurden, erhielt diese Tiefbohrung die Bezeichnung „Historisches Bohrloch Rüdersdorf“.