Brandenburger Tor, Schloss Sanssouci in Potsdam, Berliner Olympiastadion und viele weitere bedeutende Bauwerke in Berlin und Brandenburg haben eines gemeinsam: Sie wurden mit Kalkstein aus Rüdersdorf erbaut. 750 Jahre wird dieser bei uns schon gebrochen und gebrannt. Bis heute ist die Rüdersdorfer Kalksteinlagerstätte die Größte ihrer Art in Mitteleuropa.
In Rüdersdorf ist Industriegeschichte faszinierend lebendig. In der 17 Hektar großen historischen Landschaft des Museumsparks erleben Sie hautnah die Geschichte des Abbaus und der Verarbeitung des Kalksteins sowie den Aufbau einer modernen Zementindustrie. Der Kalkstein hat viele Fenster für Ihre Zeitreisen offen gehalten. Immerhin wurde in Rüdersdorf unsere heutige Eiszeittheorie begründet. Fossilien und Mineralien erzählen aus dieser Zeit. Unsere technischen Bauwerke, die nach Entwürfen berühmter Baumeister wie Schinkel errichtet wurden, bilden ein einzigartiges architektonisches Ensemble. Es gehört zu den bedeutendsten Industriedenkmalen Deutschlands. Die Gebäude, Anlagen und Freiflächen sind für jeden Besucher frei zugänglich und sie geben viel Freiräume für Kunst & Kultur, für Exkursionen, für Seminare und Workshops, für Feiern und für Geselligkeit.
Der Museumspark Rüdersdorf ist ein großes Bilderbuch. Schlagen Sie dieses Buch auf und blättern Sie in ihm. Sie werden immer neue interessante Seiten entdecken.
Berlin und Potsdam stehen auf Rüdersdorfer Kalk-»Füßen«
Berlin und Potsdam stehen auf Fundamenten des größten Kalksteintagebaus von Mitteleuropa. Denn mit dem hier abgebauten und gebrannten Kalkstein wurde Berlin zur Residenz- und deutschen Hauptstadt ausgebaut. Auch der Berliner Reichstag fußt sozusagen auf Kalkstein aus Rüdersdorf und trägt diesen in seiner Fassade. Das gilt übrigens auch für zahlreiche weitere historisch bedeutsame Bauwerke insbesondere in Berlin, Potsdam und dem Land Brandenburg. Der Baustoff wurde förmlich vor der eigenen Haustür gefördert.
Rüdersdorfer Zement ist weltweit anerkannt
Die Gewinnung von Kalk im Bergbau prägte seit jeher die Entwicklung dieser Region und formte über die Jahrhunderte die Rüdersdorfer Landschaft immer wieder neu.
Bereits im Jahre 1254 wurde der Rüdersdorfer Kalkstein beim Bau des Dominikanerklosters zu Strausberg verwandt. Die Kalksteinvorkommen waren im 13. Jahrhundert, zur Zeit der Zisterzienser, entdeckt worden. Das Gestein aus dem Berg zu brechen und vom Abraum freizulegen war eine körperlich harte Arbeit. Die Steinbrecher nutzten nur einfachste Hilfsmittel, um den Kalkstein zu lösen: Brecheisen, Eisenkeil und Hammer. Pferde- und Ochsengespanne transportierten den Kalkstein zur Weiterverarbeitung. Nach der Schiffbarmachung der Fließgewässer bei Rüdersdorf konnte der Wassertransport über die Spree für größere Entfernungen genutzt werden. Der Ausbau des Kanalsystems für den Steinbruch, war eine technologische Meisterleistung. Bergbauminister Friedrich Anton Freiherr von Heinitz leitete die innovativen Pläne und grundlegende technische Neuerungen ein.
Innerhalb von 200 Jahren entwickelte sich in Rüdersdorf eines der größten Bergbaugebiete mit Zementherstellungsbetrieben in Deutschlands. Erst seit 1990 geht die Abbauplanung natur- und ressourcenschonend vor und gibt Rüdersdorf schrittweise alte, schon im 19. Jahrhundert angelegte Erholungsgebiete wieder zurück.
Der Kalksteintagebau Rüdersdorf ist heute vier Kilometer lang, einen Kilometer breit und etwa hundert Meter tief, damit ist er der tiefste Tagebauaufschluss Brandenburgs. Eines der weltweit modernsten Zementwerke, Cemex Ost Zement GmbH, wurde am Rande des Tagebaus errichtet. Die Zementproduktion in Rüdersdorf hat nicht nur eine eindrucksvolle Geschichte und Tradition, sie ist weiterhin international gefragt.
Bauten
Das Kanalsystem
Um den Transport des Kalksteins zu vereinfachen, wurde um 1800 in Rüdersdorf ein Kanalsystem gelegt, das die Kalksteinbrüche mit den natürlichen Wasserstraßen verband. Der Steinbruch wurde somit schiffbar gemacht und der Transport des Kalksteins erleichtert. Eindrucksvolle Portale betonen die Ingenieurleistungen.
Die Rumfordöfen
Die Rumfordöfen wurden nach ihrem Erfinder Graf von Rumford benannt und stellen die industrielle Revolution des Kalkbrennens zu Beginn des 19. Jahrhunderts dar. Revolutionär war, dass Torf und Kohle als Brennstoff genutzt werden konnte. Das Rumfordsche Prinzip trennte Kalkstein und Brennmaterial. Somit wurde ein kontinuierlicher Kalkbrennprozess ermöglicht.
Der Seilscheibenpfeiler
Der Seilscheibenpfeiler wurde 1871 erbaut. Er verband die Bruchsohle des Tagebaus technologisch mit der Bruchkante. Über eine 205 m lange schräge Ebene wurde ein Gleispaar in den Bruch geführt. Auf diesen liefen in Schlingen gehaltene Eisenbahnwagen wechselseitig auf und ab. Sie wurden von Stahlseilen, die über Seilscheiben liefen, bewegt. Angetrieben wurde das System von einer 120 PS starken Dampfmaschine.
Die Schachtofenbatterie
Die Schachtofenbatterie mit ihren 18 Rüdersdorfer Öfen, ist ein einzigartiges Beispiel für den Übergang vom Jahrhunderte alten Handwerk des Kalkbrennens zur Industrieproduktion in großen Anlagen. Die Anlage wurde in nur sechs Jahren zwischen 1871 und 1877 gebaut.
Heute ist die Anlage zwar stillgelegt, dafür bietet sie dem Besucher jedoch einen einmaligen Anblick. Historische Industrieästhetik.




